aktuelle Ausgabe Aktuell
zur Startseite Home
home
 
      ORIENTIERUNG IN DER WISSENSCHAFT

 

 
  EDITORIAL 3/2010  
 

„Es sieht fast so aus, als ob die Menschen, die sonst in allem verschiedener Ansicht sind, nur in einem einträchtigen Sinnes wären: in der Schätzung des Geldes, oder als ob das Geld im Grunde den Menschen ausmache, das Geld ganz allein.“ Damit dürfte die Eintracht, die Giacomo Graf Leopardi (1798–1837) im Hinblick auf diese maßlose Wertschätzung konstatiert, beim Thema Geld allerdings bereits erschöpft sein. Denn wohl fast nichts außer der schier grenzenlosen Gier nach immer größerem Reichtum dürfte die Menschen mehr voneinander trennen. Warum erscheint uns das Geld
„als das Wichtigste und Wertvollste an sich“, fragt Konrad Paul Liessmann in seinem Beitrag „Eine kleine Philosophie des Geldes“, der den Schwerpunkt „Geld ohne Grenzen“ einleitet. Liessmann verweist auf den neapolitanischen Abbé Ferdinando Galiani, einen „begnadeten Zyniker“, der in seinem 1751 erschienenen Buch „Über das Geld“ schreibt, dass Reichtum keine absolute Größe, sondern ein soziales Verhältnis sei, denn „ein Mensch ist erst im Verhältnis zu irgendjemand anderem ärmer oder reicher“.
Ausgerechnet Karl Marx, einer der entschiedensten Kritiker des Kapitalismus, verfasste eine wie ironisch auch immer gemeinte Eloge auf das Geld. Er schrieb: „Was durch das Geld für mich ist, was ich zahlen, das heißt, was das Geld kaufen kann, das bin ich, der Besitzer des Geldes selbst. So groß die Kraft des Geldes ist, so groß ist meine Kraft; ich bin ein schlechter, unehrlicher, gewissenloser, geistloser Mensch, aber das Geld ist geehrt, also auch sein Besitzer.“ Die Welt, beziehungsweise die Güter und Leistungen in einer Geldgesellschaft, stehen einem also offen, so könnte man Marx hier frei übersetzen, wenn man über das nötige Kleingeld verfügt. Wahre Freunde kann man damit allerdings nicht gewinnen, sich aber immerhin einen Therapeuten mieten, wenn man jemanden zum Zuhören benötigt. Jenseits einer Geldgesellschaft, so Liessmann, „muss man zumindest einigermaßen sympathisch und verlässlich sein, um Freunde zu gewinnen, die einem auch in schweren Stunden zuhören“. Da dieses idyllische „Jenseits“ für alle Zeiten verloren ist, kann der stetig zunehmende Mangel an Menschen mit diesen Eigenschaften eigentlich niemanden in ernsthaftes Erstaunen versetzen.

Dirk Katzschmann

 

 

 

 

Zur Rubrik: Wissenswelten
 
zur Rubrik: Wortwechsel
Wortwechsel  
Zur Rubrik: Wissenswertes
Wissenswertes